Umweltzahnmedizin

Warum sollte eine gute Zahnheilkunde sich auch mit dem individuellen Gesamtorganismus de Patienten und nicht nur auf den Mundbereich und die Zähne beschränken?

In den letzten Jahrzehnten haben allergische Erkrankungen stetig zugenommen: war beispielsweise der „Heuschnupfen“ vor hundert Jahren noch eine sehr seltene Erscheinung, so ist er heute zum Leiden sehr vieler Menschen geworden! Gegen ein Allerweltsmetall wie Nickel (vorhanden in vielen Gebrauchsgegenständen, in Schmuckstücken, aber auch z. B. in Drähten der Kieferorthopädie) haben bis zu 25 % der Bevölkerung eine Sensibilisierung.

Die Rate der sogenannten „Autoimmunerkrankungen“ hat sich in den letzten 20 Jahren verdoppelt. Chronisch entzündliche Erkrankungen und chronische Multisystemerkrankungen wie Allergien, Diabetes, Rheuma, Magen-, Darm- oder Schilddrüsenerkrankungen, Osteoporose, Herz-Kreislauferkrankungen sowie die Parodontitis nehmen einen immer höheren Stellenwert ein.

Die Zahnmedizin teilt sich in Prophylaxe und eine Art „Reparaturmedizin“: wo die Bemühungen der Prophylaxe versagen, da werden mit Füllungen und Zahnersatz Fremdstoffe in den Körper gebracht, die die Funktion des Gebisses sichern und wiederherstellen.

Dieser Ansatz der Zahnmedizin (Reparatur erkrankter Zähne bei ansonsten gesunden Menschen) kommt an Grenzen zum Beispiel dort, wo chronisch erkrankte Menschen gegenüber den eingesetzten Materialien sensibel reagieren. Früher war das sehr selten der Fall, heute hingegen kommen wir an den im ersten Absatz beschriebenen Veränderungen nicht ohne Weiteres vorbei: Die Umweltzahnmedizin versucht, den Menschen in seiner komplexen Individualität zu erfassen und den Aspekt der Biokompatibilität – der Verträglichkeit der verwendeten Materialien – in die notwendige Reparatur einzubeziehen: nicht jedes Material ist für jeden Patienten gleichermaßen geeignet!

Sensibilisierungen und Allergien sind eine höchst komplexe Angelegenheit und bei verschiedenen Menschen unterschiedlich ausgeprägt. Mitunter ist die Mitwirkung verschiedener Spezialisten erforderlich, um zu individuell geeigneten Lösungen zu kommen.

Was ist Umwelt-ZahnMedizin oder biologische Zahnmedizin?

Im Fokus der Umwelt-Zahnmediziner steht die umfassend ausgerichtete zahnärztliche Behandlung chronisch kranker Patienten, sowie die Anwendung individueller präventiver Behandlungskonzepte mit dem Ziel, chronisch entzündliche Krankheiten auch fernab der Mundhöhle zu verhindern oder zu lindern.Die Umweltzahnmedizin ist daher eine interdisziplinär ausgerichtete Disziplin für Zahnärzte, Ärzte unterschiedlicher Fachrichtungen und Zahntechniker. Ziel ist es die Gesundheit des Patienten als Ganzes zu verbessern und Belastungen  durch körperfremde Materialien zu minimieren .

Auf Grund einer umfangreichen Fachausbildung (Currikulum) Umweltzahnmedizin bei der Deutschen Gesellschaft für Umwelt-Zahnmedizin e.V.  hat unsere Zahnärztin Frau Aneta Reinecken weitreichende Kenntnisse in den Bereichen Toxikologie , Werkstoffkunde, Allergologie sowie die Wechselwirkungen zwischen Erkrankungen des Kauorgans sowie allgemeinmedizinischen Erkrankungen. erworben

Was ist das Ziel der Umwelt-ZahnMedizin?

Anders als andere Teildisziplinen der modernen Zahnmedizin beschränkt sich die Umweltzahnmedizin nicht nur auf den Mund- und Kieferbereich. Vielmehr betrachtet die Umweltzahnmedizin den menschlichen Körper in seiner Ganzheit. Ziel einer so definierten ganzheitlich biologischen Zahnmedizin ist es, chronisch kranke Patienten durch individuelle, das Immunsystem einbeziehende, Behandlungskonzepte zu betreuen, um so vorhandene Belastungen abzubauen und neue zu vermeiden.

 

Das heißt: Als Umweltzahnärzte untersuchen wir, ob Erkrankungen in der Mundhöhle Ursprung für andere chronische Erkrankungen des Patienten sind. So gibt es beispielsweise Zusammenhänge zwischen Parodontitis und Rheuma, zwischen toten Zähnen und Immunstörungen, aber auch zwischen Entzündungen des Zahnfleischs und Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Unfruchtbarkeit. Solche Wechselwirkungen zwischen menschlichem Organismus und der Mundgesundheit gilt es mithilfe der ganzheitlichen bzw. biologischen Umweltzahnmedizin aufzudecken.

 

Diese Zusammenhänge sind keine Einbahnstraße: Selbstverständlich können auch Grunderkrankungen wie Rheuma oder Diabetes Probleme in der Mundhöhle, wie eine schlecht heilende Parodontitis, verursachen. Wir sprechen aufgrund der wechselseitigen Auswirkungen dieser Erkrankungen in verschiedenen Körperregionen von „Multisystemerkrankungen“ und sehen Erfolge, wenn wir ganz allgemein den Entzündungs-Ursachen auf die Spur kommen und möglichst viele solcher „Trigger“ ausschalten.

 

Das Aufspüren solcher Ursachen ist nicht immer einfach. Neben der „sprechenden Medizin“ (Anamnese) spielen hier Labortests eine große Rolle. Mitunter sind Erfolge auch nur in der Zusammenarbeit mit anderen Therapeuten zu erzielen. In all diesen Fällen gerät die allgemeine Zahnmedizin an ihre Grenzen und die Umweltzahnmedizin kommt zum Einsatz.

Wie läuft eine Umwelt-ZahnMedizinische Untersuchung und biologische Behandlung ab?

Um bei Patienten in unserer Zahnarztpraxis festzustellen, ob Probleme im Mundbereich Ursache für chronische Erkrankungen sind, muss der gesundheitliche Zustand ganzheitlich analysiert werden. Welche Füllmaterialien werden in den Zähnen angewendet? Gibt es bekannte Erkrankungen oder Allergien? Gibt es Vorerkrankungen in der Familie? Über welche Symptome klagt der Patient?

 

In unserer Praxis für Zahnmedizin in Samedan  erkunden wir zudem die Ursachen für Materialprobleme und entwickeln individuelle Lösungen für den betreffenden Patienten. Grundsätzlich gilt es, mithilfe einer umfangreichen Diagnostik Materialunverträglichkeiten bereits vor Zahnbehandlung erkennen und so vermeiden zu können. Hierbei helfen die Labortests.

 

Bei bereits eingesetzten Materialien müssen Zahnfüllungen, Kronen, usw. untersucht werden. Aber auch der verwendete Kleber (Kunststoff, Zement) kann allergische Reaktionen während der Zahnbehandlung hervorrufen.

 

Das biologische Behandlungskonzept für Zähne sieht vor, als unverträglich identifizierte Fremdmaterialien soweit wie möglich zu entfernen und diese durch individuell verträglichere Werkstoffe zu ersetzen. Hierbei handelt es sich in der Regel um Keramik, um dem natürlichen Zahn in Funktion und Ästhetik in nichts nachzustehen. In unserer Zahnarztpraxis verzichten wir gänzlich auf Behandlungen mit Amalgam. Wir setzen, wenn immer möglich, metallfreie Konstruktionen für den Zahnersatz ein. Der biologischen Zahnheilkunde nach sollten zudem chronische Entzündungen oder Störfelder entfernt werden, wie sie z. B. bei wurzelbehandelten Zähnen entstehen können.

Welchen Patienten nützt die Umweltzahnmedizinische Sichtweise?

Eine umweltmedizinisch geschulte Sichtweise der Zahnmedizin kommt als „Hintergrundleistung“ selbstverständlich allen Patienten gleichermaßen zugute!

Einzelne Teilbereiche der UmweltZahnMedizin:

Amalgam

8 % aller Träger von Amalgamfüllungen haben bei unabhängig voneinander durchgeführten Befragungen in Norwegen (2006)3 und Schweden (1993)2 gesundheitliche Probleme im Zusammenhang mit Amalgamfüllungen angegeben bzw. die Füllungen entfernen lassen. Acht Prozent sind nicht der Großteil der Bevölkerung.

Amalgam ist eine quecksilberhaltige Metalllegierung  der in der Schweiz aus medizinischen Gründen nicht mehr verwendet werden darf. Zusammenfassend kann man zunächst also sagen, dass Amalgam ein Füllungsmaterial  ist, das wie alle anderen Werkstoffe unverträglich sein kann im Sinne einer klassischen Allergie, das aber auch toxische Bestandteile hat, die im Körper wichtige Lebensfunktionen (Enzyme) hemmen können.

Daher ist bei Beschwerden ein Austausch durchaus ratsam . Dies kann zum Schutze des Patienten unter Zuhilfemahme   zusätzlicher Schutzmassnahmen wie beispielsweise einem Kofferdamspanngummi erfolgen .

Durch Abrieb bei Kauen und Oxidationsprozesse auf der Oberfläche der Amalgamfüllung kommt es oftmals zu einer Belastung des ganzen Körpers , da sich Bestandteile des Amalgam in einzelnen Körperzellen ablagern .

Nach der vollständigen(!) Entfernung aller Amalgamfüllungen ist daher in einigen Fällen eine sogenannte Ausleitungstherapie sinnvoll, denn die Schwermetallbelastung des Körpers (gespeicherte „Altlasten“, z.B. im Körperfett) ist mit der Eliminierung der Amalgamfüllungen ja nicht beseitigt (was zu Rückfällen nach vorübergehender Besserung von eventuell bestehenden Symptomen führen kann).

Grundsätzlich sind mehrere, ganz unterschiedlich ansetzende Verfahren im Gebrauch, zum Beispiel:

biologisch: z.B. Chlorella-Algen mit ebenfalls hoher Bindefähigkeit für Schwermetalle

chemisch: z.B. DMPS-Komplexbildner zur Schwermetall-Bindung und

Ausschwemmung

homöopathisch: potenzierte Heilmittel zur Symptombehandlung

Alle diese Verfahren haben unterschiedliche Wirksamkeiten und durchaus wichtige Vor- und Nachteile.. Die Niere als Haupt-Ausscheidungsorgan sollte vor dem Beginn jedweder Therapie auf ihre Funktionsfähigkeit geprüft werden, bei stark belasteten Patienten sollte im Rahmen einer umweltmedizinischen Diagnostik auch die Funktionsfähigkeit der Blut-Hirn-Schranke getestet werden.

Metalle im Mund

Eine zu starke Belastung mit Schwermetallen ist ein wichtiger Faktor beim Auftreten von chronisch entzündlichen Erkrankungen im Körper.

Neben der Belastung druch Nahrungsaufnahme und die Umwelt spielen hier auch die in den Mund eingebrachten Metalllegierungen eine wichtige Rolle.Implantate, Prothesen, Füllungen,  Kronen, Brücken und Zahnspangen stellen dauerhaft in den Körper eingebrachte metallische Reizfaktoren dar. Die Aufnahme über den Körperschmuck hat im Vergleich dazu geringere Bedeutung. Die Belastung nimmt  mit zunehmendem Lebensalter stetig zu, da sich Metalle sehr fest in verschiedenen Körperzellen an Eiweiße binden und eine natürliche Ausscheidung daher kaum mehr stattfinden kann.Nur wenige Metalle wie z.B. Eisen, Selen, Magnesium, Zink, Kobalt und Kupfer sind sogenannte essentielle Spurenelemente, das heißt, dass sie der Organismus benötigt. Sie sind essentielle Bestandteile von Enzymen und wichtig für zahlreiche Stoffwechselfunktionen. Sie liegen natürlicherweise in geringen Konzentrationen im Körper vor. In höherer Konzentration und abhängig von ihren Oxidationsstufen können aber selbst einige dieser biologisch wichtigen essentiellen Metalle toxische Effekte induzieren. Dazu gehören zum Beispiel Kobalt und Kupfer. Vor allem wenn sie in freier Form vorliegen gehen sie aufgrund ihrer hohen Reaktivität unerwünschte Bindungen an körpereigene Strukturen ein.

Die Mehrzahl der Metalle jedoch – und dazu gehören neben anorganischem Quecksilber oder Blei auch die Edelmetalle wie Gold, Platin und Palladium, können im menschlichen Organismus in vielerlei Hinsicht schaden. Sie können in Abhängigkeit von ihrer Menge sowie von der individuellen Empfindlichkeit des jeweiligen Menschen toxische Effekte zeigen sowie über allergische und immuntoxikologische Mechanismen Entzündungen sowie Autoimmunphänomene auslösen.

In der Zahnmedizin werden ausschließlich Legierungen eingesetzt. Dabei handelt es sich um Mischungen verschiedener Metalle, denn die Reinmetalle sind für den Einsatz im Gebiß nicht geeignet. Durch den Vorgang des Legierens wird die technische Verarbeitbarkeit verbessert und die Kau-Stabilität erhöht. Die biologische Verträglichkeit ist jedoch häufig nicht gewährleistet.

Ein Ziel der Umwelt-ZahnMedizin und der Umwelt-ZahnTechnik muss es sein, die Metallbelastung des Organismus so gering wie möglich zu halten. Es ist unnötig, dass auch heute noch ein einzelner Zahnersatz aus einem Mix von verschiedenen Metallen besteht. Zwei bis vier verschiedene Metalllegierungen sind keine Ausnahme, wobei diese noch heute oft durch Löten miteinander verbunden werden. Lote enthalten weitere nicht biokompatible Metalle und sind nicht korrosionsbeständig.

Korrosion als Hauptproblem

Die Korrosionsstabilität ist ein wichtiges Qualitätskriterium von metallischem Zahnersatz. Eine durch Verarbeitungsfehler bestehende hohe Korrosionsrate bewirkt eine stärkere Freisetzung der Metalle und stellt somit die Voraussetzung für die Aufnahme in den Organismus dar. Das Problem wird oft dadurch verstärkt, dass eine solche Prothese vom Zahnarzt in einen Mund eingesetzt wird, in dem sich bereits andere metallische Konstruktionen wie Füllungen, Kronen oder Implantate befinden. Damit beginnt ein galvanisches Geschehen (Prinzip der Batterie), d. h. es gehen durch Korrosion vermehrt Metallionen in Lösung und werden über die Schleimhäute des Mundes und Verdauungstraktes in den Organismus permanent aufgenommen. Über die Jahre summiert sich die Belastung im Organismus.

Die Folgen der durch Korrosion oder Abrieb verursachten Metallfreisetzung in der Mundhöhle können sein: Entmineralisierungen der Zähne, Rötungen, Schwellungen, Brennen und Verfärbungen der Schleimhäute , chronische Parodontitis ,metallischer Geschmack, Mundgeruch bis hin zu Zellentartungen.

Die systemischen Auswirkungen der Metalle hängen stark von der individuellen Empfindlichkeit der betroffenen Person ab. An den nachfolgend genannten Erkrankungen können Metalle ursächlich oder an deren Progression beteiligt sein:

Metallallergien

Autoimmunerkrankungen

Herz-Kreislauferkrankungen und Bluthochdruck

Arteriosklerose

Krebserkrankungen

neurodegenerative Erkrankungen  (z.B. Demenz , Morbus Parkinson)

Chronic Fatigue Syndrom (chronisches Erschöpfungssyndrom)

Gibt es Alternativen zum Metallgetragenen Zahnersatz?

Metall hat den Vorteil das es über eine grosse Stabilität verfügt. Wenn möglich sollte nur eine Legierung verwendet werden damit keine Korrosion entsteht. Bei einer Unverträglichkeit und um die Belastungen gering zu halten kann oftmals auch auf metallfreien vollkeramischen Zahnersatz ausgewichen werden .

 

Wurzelkanalbehandlungen Endodontie :

Was ist das?

Endodontie ist die Lehre von den inneren Strukturen des Zahnes. Dazu werden das Zahnmark (Zahnpulpa) und das Dentin (Zahnbein) als Komplex betrachtet, der zusammengehört. In der Pulpa befinden sich Zellen,  deren Zellfortsätze und Zellausläufer das komplette Dentin als Röhrensystem durchziehen und somit Pulpa und Dentin biologisch zwingend verbinden. Deswegen ist es eine grobe Vereinfachung der Tatsachen lediglich von einer Wurzelkanalbehandlung zu sprechen.

Wann und warum ist eine Behandlung nötig?

Kommt es zur Schädigung des Endodontiums, kann eine Behandlung erforderlich werden. Diese zielt zunächst auf den Erhalt des Endodontiums als lebendes biologisches System ab. Wenn eine Erkrankung wie Karies das System über einen bestimmten Punkt hinaus geschädigt hat, kommt es zum kaskadenartigen Untergang des gesamten Endodontiums. Dieser Prozess läuft dann zwangsläufig bis zum Ende ab. Hier ist eine Behandlung nur noch durch Entlastung des Organismus möglich. Diese sieht entweder die Entfernung des Zahnes vor (maximale Eliminierung von biologischen Schadstoffen) oder die Entfernung der infizierten Zahnanteile, welche dann natürlich auch nur eine Teilentlastung des Organismus bedeutet. Zur Behandlung wird eine chemische und mechanische Reinigung des Zahnes angestrebt. Hierzu versucht der Behandler mit Feilen, Raspeln und speziellen Bohrern das innere des Zahnes im Wechsel mit Spüllösungen zu reinigen und zu desinfizieren.

Hierbei ist wichtig zu wissen , das das Wurzelkanalsystem oftmals sehr verzweigt ist, so dass nicht alle Bakterien entfernt werden können . Von diesen kann eine biologische Belastung für den Gesamtorganismus ausgehen .DUrch die Verwendung biologisch abbaubaren Füllmaterialien ,sogenannte Sealer , können wir diese Belastung reduzieren  und zum Teil auch Nebenkanäle erreichen .  Zudem verwenden wir besonders flexible  rotierende Feilen , die es möglich machen möglichst weit zur Wurzelspitze vorzudringen .

Ist die Belastung messbar?

Eine aus dem Zahnersatz herrührende Schwermetallfreisetzung  kann durch die sogenannte  Multielementanalyse des Speichels (MEA) nachgewiesen werden. Die Höhe der Metallkonzentrationen im Speichel ist Gradmesser für die Belastung des Organismus über den Zahnersatz. Zur Erfassung der Korrosion in der Mundhöhle bietet sich auch eine Mundstrommessung an.

Es ist zu begrüßen, dass dank des Fortschritts im Bereich zahntechnischer Werkstoffe heute Kronen, Brücken und Prothesen völlig metallfrei hergestellt werden können. Bei Implantaten stehen uns Keramikimplantate oder keramisch ummantelte Titanimplantate zur Verfügung wobei beachtet werden muss, dass für die Keramikimplantate Langzeitstudien hinsichtlich Fraktur- und Verlustrisiko  naturgemäß noch nicht vorliegen können.

Was ist das realistische Behandlungsziel?

Die Endodontische Behandlung von Zähnen muss als Kompromiss betrachtet werden und kann immer nur ein Versuch sein, den Zahn weiterhin nutzbar zu halten. In der biologischen Betrachtung ist das beste Behandlungsergebnis, was erreichbar ist, dass der Entzündungsreiz, der von all diesen Zähnen ausgeht, so gering ist, dass der nicht mehr lebendige  Zahn vom Organismus weiterhin toleriert wird.

Parodontitis

Bevor die Parodontitis in ihr bekanntes Endstadium gerät (gelockerte Zähnen bei schwindendem Zahnfleisch und Knochengewebsabbau), ist es in einem meist jahrzehntelangen Prozess, oft schubweise, zu immer wiederkehrenden Entzündungen mit Rötung und Schwellung des Zahnfleisches gekommen. Oft blutet das Zahnfleisch (bei Rauchern kann diese Entzündungsreaktion unterdrückt sein). Schmerzen treten aber erst sehr spät auf. Die als Reizantwort der Immunabwehr auf bakterielle Beläge ausgelöste Entzündung verläuft – außer bei manchen aggressiven Varianten der Erkrankung – typischerweise langsam und still.

Was begünstigt die Entstehung der Parodontitis?

Rauchen, Diabetes, Überlastung der Zähne durch Knirschen oder Pressen zählen zu den seit lange bekannten „Co-Faktoren“, deren Vorhandensein eine Parodontitis mit auslösen bzw. ihren Verlauf wesentlich verschlimmern können. Heute zunehmend diskutiert werden genetische Ursachen und Umwelteinflüsse durch Zahnersatzmaterialien, Schadstoffe, Ernährungseinflüsse und Stress („Übersäuerung“). Die oben angedachte Schlüssel-Frage, wie es denn überhaupt dazu kommt, dass eine chronische Entzündungserkrankung zunimmt, obwohl doch die verursachenden(?) Bakterien heute doch zumindest besser „im Griff“ sind als zuvor, findet hier eine mögliche Erklärung: Die Immunpathogenese der Parodontitis macht deutlich, dass die Entzündung als eine unkontrollierte und fehlgeleitete Reaktion eines instabilen Regulationssystems auf eine Vielzahl von Reizfaktoren zu sehen ist, also als eine Erkrankung, die sich am Ende aus einer Kette verschiedener, zusammen wirkender Ursachen ergibt: Eine multifaktorielle und komplexe Erkrankung.

Umweltfaktoren (z.B. Metallbelastungen, Giftstoffe)

+

„Lifestyle“ (z.B. Ernährungseinflüsse, Bewegungsmangel, Stress)

+

Gene (z. B. proentzündliche und antientzündliche Entzündungsstoffe (Interleukine)) = KRANKHEIT

Was sollte deshalb beachtet werden?

Die Diagnostik bei Patienten mit Parodontitis sollte umfassend sein. Sie sollte die möglichen Triggerfaktoren ebenso berücksichtigen wie die individuellen Resistenzfaktoren des Patienten, welche die Erkrankung beeinflussen können. Die dafür zur Verfügung stehenden diagnostischen Möglichkeiten sind vielfältig.

In der Umwelt-ZahnMedizin wird die Parodontitis als multifaktorielle Erkrankung gesehen. Sowohl in der Diagnostik als auch der Therapie werden – neben den Bakterien – von außen nach innen wirkende Faktoren berücksichtigt, aber auch das Immun- und Regulationssystem des betroffenen Patienten betrachtet.

Chronische Kieferknochenentzündungen:

Was ist das?

Chronische Entzündungen, die die Abwehrkräfte des Körpers erschöpfen, sind ein Katalysator für viele Krankheiten wie Herz-Kreislauf-Probleme, degenerative Leiden des Gehirns oder gar Krebs. Sie spielen vor allem im mittleren und höheren Lebensalter eine Rolle. Die Entzündung spielt eine so entscheidende Rolle in unserem Körper, dass man sie als eine Art Weltformel des Stoffwechsels bezeichnen könnte. Manchmal«, ergänzt der Leiter des  Kopenhagener Zentrums für Entzündungsforschung, »läuft der Prozess der Entzündung einfach immer weiter und weiter und weiter, obwohl die Eindringlinge längst beseitigt sind.« Längst sind noch nicht alle der komplexen Folgen entzündlicher Prozesse wissenschaftlich aufgeklärt. Dazu zählt auch eine besondere Art der chronischen Entzündung, die Kieferostitis – die unsichtbare Zersetzung des Kieferknochens. Dieser Prozess hat ein gefährliches Doppelgesicht:

 

Einerseits reizt er die Gesichtsnerven und kann zu sich langsam steigernden Gesichtsschmerzen oder sogar zu den schrecklichen Trigeminus-Neuralgien führen. Der amerikanische Professor J.E. Bouquot von der Universität Huston in Texas fand bei einer Untersuchung an über 200 verstorbenen Patienten mit Trigeminus-Neuralgie fast immer eine solche Osteonekrose und gab ihr deshalb den Namen NICO (Neuralgia Inducing Cavitational Osteonecrosis).

Es treten anderseits auch oftmals keine typischen Entzündungszeichen wie Schmerzen, Schwellungen oder Eiter auf. Gleichzeitig ist dieser Prozess von außen oder auf dem Röntgenbild nicht erkennbar. Nur spezielle Ultraschallgeräte (TAU) zeigen die Veränderungen. Nach dem Öffnen der Schleimhaut findet der Zahnarzt dann im Inneren des Kieferknochens eine weiche, fettige Substanz aus degeneriertem Gewebe mit vielen Fettzellen.. Fettzellen produzieren Entzündungs-Botenstoffe und können damit andere Erkrankungen befördern. Wie auch bei toten und wurzelgefüllten Zähnen produzieren sie Botenstoffe der Entzündung und das enzymhemmende Gift Methyl-Mercaptan. Beide können sich über Nerven, Lymphgefäße und Blutbahnen im ganzen Körper verteilen. Chronische Entzündungen werden möglicherweise auf diesem Weg zum Motor für viele der gefürchtetsten Krankheiten im mittleren und höheren Alter: Rheuma, Schilddrüsenprobleme, Allergien Brust- und Prostata-Tumore oder ähnliches.

Wie entsteht diese?

Viele von uns bekommen  bereits in jungen Jahren die Weisheitszähne gezogen oder herausoperiert, und der Zahnarzt setzt dabei auf die Selbstheilungskräfte des Patienten. Nur selten kontrolliert er längerfristig, ob die Wunde einer Zahnentfernung im Kieferknochen reizlos verheilt. Wenn ein Problem durch eine Infektion auftritt, gibt er Antibiotika: Diese erreichen  aber nur den akut entzündlichen Teil der Wunde. Die Antibiotika verschieben das Geschehen von einem akuten zu einem chronischen Prozess und die schlecht versorgten Kieferknochen in der NICO werden davon nicht berührt. Aber auch Erreger aus tiefen Zahnfleischtaschen oder aus toten oder wurzelgefüllten Zähnen können im Kieferknochen die fettige Auflösung einerNICObewirken und giftige Stoffwechselprodukte und Entzündungs-Botenstoffe in weit entfernte Bereiche des Körpers schicken. Eine Kieferostitis entwickelt sich also häufig dort, wo Zähne entfernt wurden, im Ober- wie im Unterkiefer. Diese „innere Narbe“ im Kiefer wirkt als chronische Störung und besonders empfindliche, gestresste und immungeschwächte Personen können  solche Störfelder sehr belasten  und in ihre Gesundheit in die Knie zwingen.

 

Zahnimplantate aus Titan

Zahnimplantate sind Fremdmaterialien, die in den Kiefer eingesetzt werden. Sie übernehmen im Kieferknochen die Funktion künstlicher Zahnwurzeln. Im Allgemeinen verbinden sie sich innerhalb von 3 bis 6 Monaten mit dem umgebenen Knochen zu einer festen, äußerst belastungsfähigen Einheit, auf die dann der Zahnersatz eingesetzt werden kann. Zahnimplantate bestehen üblicherweise aus Reintitan. Bei orthopädischen Implantaten werden neben Titanlegierungen häufig auch Kobalt/Chrom- und Nickel/Chrom-Legierungen verwendet. Titan zeichnet sich durch hohe Festigkeit und ein geringes Gewicht aus .

Verträglich oder nicht?

Titan ist für viele Patienten ein gut verträgliches Material, da im Unterschied zu anderen Metallen Allergien auf Titan ausgesprochen selten sind. Von der Oberfläche des Implantates können sich aber Titanoxidpartikel lösen, welche sich im umliegenden Gewebe ablagern. Diese, nur wenige Mikrometer großen Partikel, sind für die Mehrheit der Patienten unproblematisch, da das Immunsystem sie ignoriert. Einige Patienten reagieren jedoch auf diese Titanoxidpartikel mit einer Entzündungsreaktion. Bei diesen Patienten ist die Gefahr einer Implantat-assoziierten Entzündung und eines Implantatverlustes erhöht.

Kann man die Verträglichkeit testen?

Schon frühzeitig nahm man an, dass es eine genetische Prädisposition für ein Titan-assoziiertes Immungeschehen gibt. Heute weiß man, dass die Gene für die entzündungsfördernden Botenstoffe (Zytokine) nicht bei jedem Menschen gleich sind. Einige Menschen tragen genetische Konstellationen, die zu einer überschiessenden Entzündungs¬reaktion führen. Mit einem genetischen Test können heute die für die Entzündungsantwort wichtigsten Gen¬varianten (IL1, IL1RN, TNFα) bestimmt werden. Aus diesen kann die individuelle Entzündungs¬neigung von Grad 0 (geringe Entzündungs¬neigung) bis Grad 4 (deutlich erhöhte Entzündungsneigung) ermittelt werden. Patienten mit Entzündungsgrad 2-4 haben nachweislich ein erhöhtes Risiko für ein Titanimplantat-assoziiertes Immungeschehen.Ein positiver Titanstimulationstest und/oder ein genetischer Entzündungsgrad 2-4 für sich allein stellt noch keine absolute Kontraindikation für ein Titanimplantat dar. Inzwischen gibt es aber für einige Indikationen auch Alternativen zum Titan, zum Beispiel aus Keramik oder beschichtete Titanimplantate. Wichtig ist es, das erhöhte Risiko zu kennen, um frühzeitig vor der Implantation darauf reagieren zu können oder andere Risikofaktoren zu minimieren.